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NoridanZwischen Feder und Schwert

Die Geschichte der Magie

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Magie, Zauberkraft, die Kunst oder auch Dämonenwerk sind einige von vielen Begriffen, die das gemeine Volk einem Aspekt der Welt gegeben hat, den es nicht versteht. Es ist fast nachvollziehbar, dass der einfache Verstand jene Dinge verdrängt, die es ermöglichen aus dem Nichts Kraft, Energie oder Materie zu schaffen.
Aber woher kommt jene Gabe, eine unsehbare Quelle mit einigen geschickten Fingerbewegungen anzuzupfen, als spiele man eine Mandoline? Woher kommt das Geschenk, aus der Macht dieser Quelle Dinge zu erschaffen, die die Welt aus ihren Angeln hebt und den irdischen Geist aus seinen Fugen reißt? Die Erklärung liegt in der Vergangenheit - in jener Ahnenzeit, als die Welt erst entstand.

Das Wunder der Magie gibt es nach der gängigsten Theorie von la Sevohn, einem verstorbenen elfischen Philosophen und Magier, schon seit dem Anbeginn der Zeit, als die Götter oder der Funke des Schicksals (jeder mag es nennen, wie er will) die Welt im Äther geformt und sie sich selbst überlassen hat. Aus den selben Kräften, die auch Berge, Meere und Felder formten, muss diese, alles durchfließende Energie, die sich in engen Waben um ganz Noridan schlingt, entstanden sein.
Die schöpferische Hand, wie ich den Akteur der Weltentstehung im weiteren Verlauf bezeichnen will, hat im ersten Zeitalter, von dem fast alles Wissen verloren ist, ein Netz gewoben, das ganz Noridan umschließt. Auf welche Weise ist ungewiss. Die Existenz des Netzes ist fast unbestritten, denn jeder Zauberanwender sieht, tritt er mit Worten und Gesten in die Welt der Magie ein, einen kleinen Bruchteil des scheinbaren Wirrwarrs und formt aus ihm seine Wünsche.
Andere philosophische Geister, die dem Gedanken von la Sevohn nachhängen, behaupten, dass durch dieses Netz die Welt überhaupt zusammengehalten wird. Sie gehen sogar soweit, zu sagen, dass, sollten die Fäden des Geflechts an einer Stelle reißen, Noridan an dieser Stelle beginnen würde auseinanderzubrechen. Diese Theorien sind allerdings fraglich, da auch bei größeren Netzmaschen, also in Gebieten schwacher Magie, die Welt nicht bröckelt.
Das Netz ist bis in die heutige Zeit allgegenwärtig und hat sich nach Meinungen vieler Forscher nur sehr wenig verändert. Es schwingt immer noch um Baum und Stein, um Tier und Mensch und ist vielleicht das älteste Relikt ganz Noridans.

Warum finden sich aber erst Überlieferungen der Magie aus späterer Zeit? Warum weiß keine erinnerungsgewaltige Seele von der Magie des ersten Zeitalters? Stets wird mit dem Aufkeimen der Kunst der zweite Tag der Zeit genannt.

Mecfil la Sevohn, der die Theorie des Magienetzes, das die Welt umspannt, erstmalig niedergeschrieben und weitergedacht hat, vertrat zu seiner Zeit eine Idee, die heute noch von großen Teilen der Zauberkundigen angenommen wird.
Es ist verständlich, das ob der großen Katastrophen der Zeitalterschwellen viel Wissen verlorengegangen ist, sagt la Sevohn. Aber wir wissen zumindest von leisen Erinnerungen der Welt, dass die ersten magischen Geschehnisse zu jener Zeit aufkamen, da die Drachen die Welt betraten, nur wenige tausend Jahre nach dem Beginn des zweiten Zeitalters.
Nun stellen wir heute fest, dass die Menschen, die Zwerge, Gnome, Halblinge und selbst viele Elfen die Welt bewandern, ohne je die Zauberkraft gespürt zu haben. Natürlich haben einige schon das Ergebnis von Zauberei gesehen aber wären sie nie einem Zauberwirker begegnet, wüssten sie vielleicht nicht einmal von der Macht, die der Welt innewohnt. Sie setzen Fuß um Fuß auf ihre Pfade und gehen ihre Wege und sie spüren nicht, dass ein energiegeladenes Netz ihre Leiber vom Kopf bis zur Sohle umgibt. Das Netz der Magie berührt sie zwar nicht, es bleibt unbemerkt, ist aber dennoch allgegenwärtig.
Vielleicht waren die einfachen Völker - langlebig aber einfachen Verstandes - eben solche Wesen, die durch die Welt gingen aber von niemand erfahren konnten, dass sie eine Energie umgab, die schöpferischen Ursprungs war und großes Potential trug. Vielleicht waren jene Ahnen nur ohne Mentor und blieben unbelehrt? Und wo sollte ein Mentor herkommen, wenn niemand auf der Welt das Fachgebiet kannte?
Diese Frage klärte sich laut la Sevohns Theorie, als die Drachen auf die Welt kamen. Sevohn gibt offen zu, dass er nicht weiß, warum die Drachen das Wissen der Magie in sich trugen. Er vermutet nur, dass jene heute noch von Magie besessenen und von der Kunst durchströmten Wesen das Wissen um die Zauberei im Herzen trugen, kann dies aber mit keinem Argument bekräftigen.
Nun hatte Noridan Mentoren. Hier streitet sich die Geschichte, ob die Drachen diese Rolle freiwillig oder zwangsläufig übernommen haben. Zumindest gab es jemanden auf der Welt, der allen Völkern, ob nun durch grausame Anwendung am Schüler oder durch geduldige Lehre, zeigte, dass es etwas gab, was bisher unentdeckt war - das Netz der Magie, aus dem sich wundersame aber auch schreckenserregende Ergebnisse stricken ließen.
Von da an gibt es Spuren von Zauberwirkern unter allen Völkern - jene Rasse der Menschen soll nach Sevohn die erste Nutzerrasse gewesen sein, dies ist aber nicht belegt.
Hier endet Sevohns Forschung über die Geschichte der Magie. Sie klingt schlüssig aber hat einige lose Enden, die nicht geklärt sind.
Das Wissen der Drachen um die Magie ist ein ungeklärtes Rätsel. Das der Elverra, wie man die Elfen in der damaligen Zeit hieß, ein Zweites. War diese Rasse, wie es erzählt wird, von Magie wirklich erfüllt, muss es doch Individuen gegeben haben, die jene Kraft in sich erkannt haben. Unterdrückten sie die innewohnende Kunst? Besaßen sie die Macht zu jener Zeit noch nicht?

Sevohn wird, auch ob jener wenigen losen Enden seiner Idee, in weiten Teilen Kadurs anerkannt und in den meisten Schulen der Künste gelehrt.
Fast schicksalhaft möchte man das Ende des Philosophen sehen, als nach dem Abschluss seiner schriftlichen Arbeit über die Geschichte der Magie auf einer Schiffsreise in seine Heimatstadt Mither das Boot nahe der Küste sank, Sevohn sich aber in einem Fischernetz verfing und so jede Kraftanstrengung, um die Küste zu erreichen, umsonst war. Er starb in den Fluten der See und wurde erst Tage später von dem Fischer, der das Netz das seine nannte, tot aus dem Wasser gezogen.

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