Die Magie auf Noridan ist sehr vielfältig.
Sogenannte weltliche Magieanwender machen sich die Kunst durch Fingergeschick und verbale Befehlsgewalt zunutze. Göttlich berufene Priester bitten inbrünstig um die Nutzung der überirdischen Macht. Es gibt Elementarmagier, die ihr Können auf den Grundbausteinen der Welt errichten und es gibt Chaosmagier, eine noch junge Klasse der Zauberkundigen, die eine ebenfalls noch junge unerforschte Kraft nutzen, welche die Welt mehr und mehr durchfließt.
Trotz dieser Vielfalt hat jegliche Zauberkunst mit dem Netz der Magie zu tun, das Noridan seit dem Ursprung der Welt umschließt. Jede Art der magischen Tätigkeit ist mit diesem Netz verknüpft und fordert die einverleibte Kraft des Geflechtes.
Nutzt ein Magier seine Macht, um seine Geistesvorstellungen zu verwirklichen, braucht er dafür stets Worte, Gesten, Materialien oder einen Fokus. Manchmal benötigt er nur eine dieser Komponenten, manchmal mehr, in den unterschiedlichsten Kombinationen. Was er allerdings noch benötigt, ist eine im Geist heimische Kraft, die ihm von Geburt an gegeben oder durch jahrelanges Training gelehrt wurde. Priester nennen diese Gabe Glaube, Magier nennen sie Wissen, die Elementarzauberer Erzgewalt und die Chaosmagier betiteln ihr Können seit wenigen Jahren mit dem Wort Schemen.
Die im Geist wohnende Kraft ist der Ausgangspunkt der Zauberei. Durch sie erhält der Anwender Zugang zum magischen Netz. Wortkomponenten, Teil jedes Zaubers, ob nun im Befehlston der weltlichen Magier oder im bittenden Ton der Priester, ermöglichen es dem Magier das Netz der Magie zu sehen und erste Fäden des Strickwerkes in Schwingung zu versetzen. Je intensiver der Magier das Netz der Zauberei einsehen kann - je inbrünstiger er sich mit seiner Gabe beschäftigt, umso besser gelingt ihm der Einblick - umso stärker kann er mit Worten seine Fäden zum Schwingen bringen und umso stärker ist das Ergebnis seines Zaubers. Manchen Zaubern, unabhängig von ihrer Macht, genügt diese Schwingung schon, um ihr Ergebnis zu offenbaren aber viele Sprüche benötigen noch weitere Komponenten. Gesten werden dazu genutzt, um das Netz zu flechten, zu formen und weitere Fäden in Schwingungen zu versetzen, die durch die Worte noch still geblieben sind. Viele Zauber beinhalten außerdem eine Materialkomponente oder einen Fokus. Diese Gegenstände sind dafür nötig, um schwache oder dem Magier noch ungreifbare Fäden, die für den Abschluss des Zaubers gewoben werden müssen, zugänglich zu machen.
Das Netz ist vielschichtig und besteht aus einer Bandbreite von Farben. Eine Farbe mit all ihren Abstufungen steht dabei für eine Schule der Magie. Weiße Fäden sind zum Beispiel nötige Knotenverbindungen für die Schule der Erkenntnis, schwarz dagegen steht für die Schule der Nekromantie.
Fäden der gleichen Farben mit metallnem Schimmer sind die Strickwerkzeuge der Priesterzauberer und ihre metallne Abstufung entspricht den verschiedenen Zyklen.
Die Elementarmagier nutzen die Knotenverbindungen des Netzes. In diesen ist die Urgewalt der Welt am stärksten und durch geschickte Verknüpfung rufen diese Zauberer ihre sonderbaren Künste hervor auf ihre Art hervor.
Eine neue und für viele Magier bedenkliche Erscheinung ist allerdings eine schattenhafte, grau-schwarze Fadenkonstruktion mit silbernem Glanz, die sich seit einigen Jahrzehnten bildet. Die Fäden der Chaosmagie entstehen erst nach und nach. Sie spannen sich zwischen den Knoten des Netzes in einem wilden Wirrwarr und scheinen empfindlich gegenüber der Berührung nicht versierter Magieanwender. Der Ursprung dieser Entwicklung ist noch immer unbekannt.
Je, nachdem welchen Weg ein Anwender einschlägt (Magierspezialisierung), werden ihm auch manche Fäden verschlossen bleiben. Er kann sie zwar sehen - jeder Magieanwender sieht stets die Gesamtheit des Netzes - ist jedoch nicht in der Lage sie zu weben und in die richtigen Schwingungen zu versetzen. Sein Wissen verschließt sich vor diesen Fäden und entrückt sie dem Magier. Im Gegenzug verbindet sich in diesem Fall immer eine Art Netzfaden (Spezialisierungsrichtung) mit dem Geist des Anwenders und er erlangt einen leichteren, besseren Zugang zu diesem Zweig der Kunst.
Das Netz ist auf Kadur und damit sicherlich auch auf ganz Noridan nicht gleichmäßig verteilt. Es gibt Bereiche sehr enger Flechtwerke und wiederum Gegenden mit sehr großen Maschen. Ersteres ruft ein extrem hohes Magiepotential hervor und ermöglicht einem Zauberer bei richtiger Handhabung eine leichte Anwendung seiner Macht. Großflächige Maschen allerdings können bis hin zum vollständigen Magieverlust in der netzarmen Gegend führen und der Zauberkünstler steht der Welt plötzlich ganz ohne magische Hilfe gegenüber. Jüngst hat sich gezeigt, dass in solchen magieleeren Feldern oft Felder Wilder Magie entstehen. Durch die wenigen Forschungen könnte man davon ausgehen, dass diese Entdeckung nur Zufall ist, aber die gehäufte Beobachtung lässt viele Magier aufhorchen und nachdenken, ob diese Gegebenheit vielleicht einen Grund hat.
"Die Magie ist ein weltumfassendes Phänomen in der Form eines bunten Netzes und wir sind die ahnungslosen Fische, um die sich das Strickwerk langsam schließt", sagte einst der Philosoph Mecfil la Sevohn, als er seine Forschungen abgeschlossen hatte, ohne diese Worte weiter zu kommentieren.