Wer ist Taithleach und war Taia Kiach? Wer könnte diese Fragen besser beantworten als ein Diener Taithleachs,
Caleb, der Wolf. Lassen wir seine Tagebucheintragungen sprechen...
Caleb, der Wolf – 1. Tagebucheintrag - „Resümee“
Ich erwachte am Tage, da der 12 Monat des Jahres begann, aus einem Traum, der mir Gewissheit über ein Ereignis brachte, welches mich heute wütend macht.
Mein Name ist Caleb und als ich mein erstes Leben führte, hatte ich einen Bruder.
Darkan war älter als ich und immer gut zu mir. Wir verstanden uns und liebten uns.
Am Ende unserer Tage – der scheinbare Tod ereilte uns gemeinsam – machten wir eine Begegnung mit Viarvan, einem unfreundlichen Zeitgenossen. Er war ein Vampir, einer jener Untoten, die in vielen der heutigen Bücher als Fabelwesen und unsagbar Böses bezeichnet werden. Ich und Darkan starben und worden wiedergeboren.
Vor 67 Jahren bald nahm Viarvan uns unter seine Herrschaft und zeigte uns – wir lebten nun als Wesen wie er – was es bedeutete ewig zu leben und mächtig zu sein. Allein die Angst, sagte er, die die Menschen hegen, wenn sie Gedanken an uns verschwenden, verleiht dem Dasein als Vampir eine unsagbare Mächtigkeit.
Viarvan irrte in seiner Annahme, dass die Unsterblichkeit ihr Wort hielt, denn nur 4 Jahre, nachdem wir Söhne seiner Taten wurden, kam er durch die Klinge eines Menschen zu wahrem Tode und zu der ewigen Ruhe im Reich der Finsternis.
Wir waren frei und fanden uns in einer Welt wieder, die sich gegen uns gerichtet hatte. So kam es dazu, dass die, deren Feinde wir sind, es erst dazu brachten, dass wir sie ebenfalls als Feinde betrachteten. Der Mensch war nicht länger ein Teil unserer Vergangenheit, sondern ein Wesen, das wir zum Überleben brauchten und ein Wesen, dessen Hass gegen das Reich der Untoten, den Hass gegen alles andere, bei weitem überstieg.
Etwa vor zwei Jahren dann fanden wir einen Menschen, dessen Tod uns unsinnig schien. Eine Frau aus dem alten Rima sollte unser nächstes Opfer werden, doch sie begann mit uns zu sprechen, als wären wir schon ewig Freunde gewesen. Taia Kiach, eine Frau voller Zauber versprach uns, unseren ewigen Kampf gegen die Menschen zu beenden, wenn wir ihr beistünden und sie zum Ziel ihres Weges begleiteten.
Sie kannte die Geschichte der Weltendolche und dachte, wie wir. Hass gegen die Menschen schürte ihr Feuer tief in der Seele.
Eines Abends erzählte sie uns von ihrem Plan, den alten Geist der Finsternis zu erwecken, der durch ein Ritual des Alten Rates aufgrund eines Versehens entstanden war. Durch ihn würde Psidara, eine Insel der Furcht im Außenmeer, wiedererstehen und der Welt der Menschen, die doch so voller Verachtung und Hass waren, das Ende bringen. Kadur würde von neuen Arten bewohnt werden und es gäbe Frieden für Geister wie uns, die durch die Aufruhr der heutigen Herrscher keine Ruhe finden. Verlockung, Scharm und ein hohes Ziel überzeugten mich und meinen Bruder, ihr beizuwohnen und ihren Plan zu vervollständigen. Dieses Menschenkind, dem wir heute dienen, wurde Freund und Göttin für unser eigenes Verlangen.
Doch all das hat den Status der Nichtigkeit erlangt, als ich vor wenigen Tagen spürte, dass Darkan, mein Bruder und Freund gegangen war. Er wurde getötet. Wo es passiert ist, weiß ich nicht und wer es getan hat, kann ich nur vermuten.
Er war auf der Spur eines Ritters, der die Pläne Taias schon seit einiger Zeit mit seinen Gefährten immer wieder durchkreuzte. Muadib Lintflas ist sein Name, sagte mir Taia. Ich bin ihm schon einmal begegnet und er und seine Gesellen brachten mir den unechten Tod.
Wenn ich erfahre, dass durch seine Hand mein geliebter Bruder Darkan sein Ende gefunden hat, dann werde ich ihn rächen und diesen Bastard von Mensch in den Tod befördern. Ich werde ihn mit meinen eigenen Händen niederringen und ihn unter meine Herrschaft rufen. Er soll leiden und wissen, was es bedeutet, von der Welt Abschied zu nehmen, so wahr ich Caleb, der Wolf heiße und unsterblich bin.
Caleb, der Wolf – 2. Tagebucheintrag – „Die Abrechnung“
Eine gar verzückende Begebenheit wacht diese Nacht neben mir. Ich traf Anis, drei Grünhexen, die die kleine Menschenschar, auf deren Fährte ich bin, schon seit einigen Tagen beobachtet. Ich fühle mich erfüllt von dem Gedanken, Rache zu nehmen und meiner Herrin allein die Ehre zu erweisen, ihren Plan voranzutreiben.
Die Hexen sprechen davon, dass der Currag Irars einige Mann seiner geliebten Garnison nach Süden schickt, weil der übermächtige Krieg im Osten sehr schlecht für das ach so mutige Menschendasein läuft.
Hier eröffnet sich ein Plan, der mit Hilfe meiner neuen Diener, mehr sind sie nicht, gelingen wird. Die Soldaten werden heute ihre letzte Nacht im Reich der Lebenden verbringen und morgen schon Lintflas und seine Mannen auf ihre schicksalhafteste Reise schicken. Ich werde siegen und mein stillstehendes Herz damit besänftigen, die Mörder Darkans gerichtet zu haben.
Caleb, der Wolf – 2. Tagebucheintrag – „Der Sieg“
Hier enden die Aufzeichnungen von Caleb, dem Vampir, der durch die Ebenenwanderer den echten Tod fand.